#Gedankenfluss zum Sonntag – Bier, Menstruation & Männer

Ich hatte gestern einen wunderbaren Abend mit meinem Freund und einem sehr guten Freund von uns. Einer dieser Abende, an denen das Bier fließt und die intellektuellen Höhenflüge Rekordhöhen erreichen. Ok, das ist jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben, aber kennt ihr diese Euphorie, die euch ergreift, wenn ihr das Gefühl während eines Gespräches habt, dass genau dieses Gespräch, dass ihr gerade führt, so unglaublich wichtig und gehaltvoll ist, dass ihr es am liebsten aufgenommen hättet, um es so für die Nachwelt zu erhalten? Nein? Auch nicht so schlimm. Aber so ging es mir gestern in meiner bierseeligen Euphorie. Ich wusste gestern schon, dass ich all die wichtigen Dinge, die gesagt und gedacht wurden, nicht in den nächsten Tag mit nehmen werden kann, weil sie einfach in meinem angekartertem Hirn versickern werden.

Und jetzt sitze ich hier und versuche diese Wichtigkeit wieder hervorzuholen. Aber es vermag mir gerade nicht gelingen. Aber vielleicht ist das jetzt, heute, auch gar nicht so wichtig. Vielleicht wird dieses Gespräch ein andermal wieder in mir hochkommen und ich es niederschreiben können. Vielleicht ist heute einfach nur wichtig, dass ich voller Dankbarkeit bin, dass ich so tolle Menschen kenne, mit denen ich über alles reden kann, vor allem im Moment auch über mein Projekt hier.

Ich frage mich gerade, wie selbstverständlich es ist, mit seinem Freund und mit den gemeinsamen Freunden über so ein Thema reden zu können. Ist es ein Privileg für mich, solche Menschen um mich haben zu dürfen? Ja, klar. Die Frage ist vielleicht falsch gestellt.

Ich glaube, die Frage, die mich eher umtreibt, ist, was ist die Realtität, bzw. was ist nur meine Wahrnehmung? Ich frage mich immer wieder, ob ich mit der Ansicht, dass die Menstruation immer noch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft ist, richtig liege. Ich bin in meinen Erfahrungen und meinen Beobachtungen so zwiegespalten. Inzwischen bin ich mir absolut sicher, dass es ein Thema ist, bei dem noch viel getan werden muss, gerade gesellschaftlich! Aber trotzdem lasse ich mich immer wieder verunsichern. Vielleicht ist das aber auch nicht die richtige Formulierung. Ich würde eher sagen, ich bleibe offen. Ich hinterfrage immer wieder mich selbst, die Gesellschaft, andere. Ich bleibe offen für Meinungsänderung. Und ich bleibe offen für die Realität und Wahrnehmung anderer. Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Welt, kein Leben ist gleich, keine Wahrnehmung ist gleich, keine Aneinanderreihung von Lebenserfahrungen ist gleich. Das sollte man nie vergessen. Was für die einen noch ein Problem ist, gab’s für den anderen nie, hat nie existiert. Nur weil ich damit aufgewachsen bin, dass man um alles was „untenrum“ ist, mit den Eltern nicht spricht,  nicht mal wirklich mit der eigenen Mutter, heißt das nicht, dass es bei allen anderen auch so war bzw, ist. Und nur weil ich mich inzwischen in einem Freundeskreis bewege, in dem man über ALLES so offen und unverblümt reden kann, wie man es selbst will, heißt das nicht, dass diese Offenheit und Toleranz auch überall anders in unserer Gesellschaft herrscht. Es wird immer Themen geben, die für den einen extrem wichtig sind, worüber andere nur die Schultern zucken, weil man es einfach ganz anders erlebt hat. Es gibt kein pauschales Richtig oder Falsch. Es ist vielschichtiger, komplexer.

Aber um auf den gestrigen Abend zurückzukommen, ich glaube das, was mich auch so fasziniert hat an dem Gespräch gestern, war, dass unser Freund K. einfach offen war. Er hat sich mit mir, meiner Meinung, meinen Gedanken auseinandergesetzt. Er, als Mann, hat ernsthaft versucht, sich in mein Denken, mein Fühlen und meine Erfahrungen als Frau hineinzuversetzen. Ein Teil von dem Gespräch gestern war unter anderem, wie es sich anfühlt seine Tage zu haben, Krämpfe zu haben, wie es ist, die Pille zu nehmen, seinen Körper mit künstlichen Hormonen vollzustopfen und unter den Nebenwirkungen zu leiden, wie es ist, sich eine Kupferspirale einsetzen zu lassen und was für Schmerzen man deswegen aushalten muss, und meine Wut darüber, eine Frau zu sein in solchen Momenten. Warum ich, nur weil ich eine Frau bin, diese Scheiße ertragen und auf mich nehmen muss. Meine Wut darüber, dass ich mich darum kümmern muss, zu verhüten, die Wut darüber, dass Testreihen für die Pille für den Mann deswegen abgebrochen wurden, weil die Männer mit den Stimmungsschwankungen nicht klar kamen. Mit Stimmungsschwankungen!!! Ich glaube ich muss mal eben in den Keller gehen zu lachen. Dafür habe ich nicht mehr als einen feuchten Furz übrig. Ok, ich schreibe mich grad in Rage. Diese Wut und Frustration ist in mir. Und ich habe K. gestern auch gesagt, dass ich mir als Frau an der Stelle einfach nur wünsche, dass wir, die wir menstruieren und Kinder bekommen (können), einfach mehr wertgeschätzt und verstanden fühlen wollen. Dass der nicht-menstruierende Teil der Bevölkerung sich einfach mal mehr mit uns auseinandersetzt, damit, was in uns vorgeht, was mit uns passiert, wie es sich anfühlt (soweit man es nachempfinden kann), einfach, was es bedeutet, einen weiblichen Körper zu haben. Dass man einfach aufhört, nur dumme Sprüche zu klopfen und unseren körperlichen Alltag abwertet. Ach habt euch nicht so, die bisschen Bauchschmerzen. Hm ja ist klar. Wer es wagt, in meiner Gegenwart nochmal „Hat die Alte wieder ihre Tage“-Sprüche zu bringen, den prügel ich so lange mit einem Tampon nieder, bis er blutet. Eigentlich sollten solche Flachwichser mal an diese netten Schmerzsimulierungsmaschinen angeschlossen werden, von denen es so  nette Videos auf Youtube gibt. Dann reden wir gerne weiter.

Ich denke, dass es für alle Beteiligte grundsätzlich nur förderlich wäre, wenn sich alle Geschlechter einfach mal mehr miteinander auseinandersetzen würden. Und damit meine ich nicht nur Mann und Frau, sondern auch alles was dazwischen ist. Ja das gibt es und das sollten wir nicht vergessen. Auch wenn ich oft nur von Frauen schreibe, heißt das nicht, dass ich alle anderen, die keine Frauen sind und trotzdem menstruieren, ausschließe. Überhaupt nicht! Wenn ich so schreibe, wie ich schreibe, dann liegt das meistens nur daran, dass ich eben aus meiner Perspektive schreibe. Und ich bin nun mal eine Frau und ich fühle mich auch als Frau. Also fühlt euch bitte nicht vernachlässigt oder angegriffen, wenn ich mich nicht immer korrekt gendergerecht ausdrücke. Mir fehlt darin auch leider etwas Übung.

Um noch mal auf das Eigentliche zurückzukommen: Wir sollten einfach alle mehr Offenheit und Interesse an unserem Gegenüber praktizieren und uns nicht in eine völlig egozentrische aus oberflächlichen Klischeebausteinen aufgebaute Welt verkriechen, weil es unter Umständen leichter sein könnte, so zu leben. Einfach mehr Respekt und Liebe und Offenheit und Toleranz und Unterstützung! So wie K. gestern. Auch wenn er natürlich an seine Grenzen gestoßen ist im Nachvollziehen meiner Ausführungen über das „Frau-Sein“. Es gibt nun mal eine biologische Grenze. Aber bis dahin kann man es doch wenigstens versuchen. Solche Gespräche wie gestern sollten völlig selbstverständlich sein! Auf der ganzen Welt. Ich weiß, das ist groß geträumt und wird vermutlich nie eintreten, aber versuchen kann man es doch wenigstens mal. Oder nicht?

 


Alle Schreib- und Kommafehler dürft ihr gern behalten, ich bin grad zu sehr im Sonntagschillblues, um alles finden zu können. 😉


 

XOXO

Eure Mentstruationsbeauftragte

<3

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