Happy MHD – Was es mit dem Menstrual Hygiene Day auf sich hat und warum es so wichtig ist, ihn zu feiern!

Heute ist der 28. Mai. Ein Tag wie jeder andere, mag man meinen. Für die meisten wird das wohl zutreffen, aber, die, die wissen, was für ein besonderer Tag heute ist, werden ihn hoffentlich feiern. Denn heute ist der Menstrual Hygiene Day, kurz MHD/MH Day/Menstrual Health Day, eingedeutscht auch Tag der Menstruationshygiene genannt.

Ein Tag, den wir alle gemeinsam ganz bewusst zelebrieren sollten!

Aber was genau ist überhaupt der MHD? Und woher kommt er eigentlich?

 

Der Menstrual Hygiene Day

Menstrual Hygiene Day Logo

Zum allerersten mal wurde der MHD am 28. Mai 2014 zelebriert. Ins Leben wurde er damals von der NGO WASH United gerufen, die ihren Sitz übrigens in Berlin hat und sich dafür einsetzt, die weltweiten Krisen rund um Sanitäre Einrichtungen und Hygiene zu beenden.

Das Ziel des MHD ist es, Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt zu helfen.

Der Sinn dieses Tages ist, die Wichtigkeit eines guten „Menstrual Hygiene Management“ (kurz MHM, frei übersetzt: Menstruationshygienemanagement) hervorzuheben.

 

Aber was bedeutet MHM überhaupt?

WASH definiert es so:

  • „Women and adolescent girls use a clean material to absorb or collect menstrual blood, and this material can be changed in privacy as often as necessary for the duration of menstruation.
    (Frauen und Mädchen benutzen saubere Materialien, um Blut aufzusaugen oder aufzufangen und diese Materialien können, so oft, wie es nötig ist, für die Dauer der Menstruation, in Privatsphäre gewechselt werden.)
  • MHM also includes using soap and water for washing the body as required; and having access to facilities to dispose of used menstrual management materials.“
    (MHM beinhaltet außerdem das Benutzen von Seife und Wasser um den Körper nach Bedarf zu reinigen; und den Zugang zu Toiletten um benutzte Menstruationshygieneprodukte zu entsorgen)

 

Zugang zu Wasser, Hygieneprodukten und Toiletten sind keine Selbstverständlichkeit

Für uns in Deutschland mag das alles vollkommen selbstverständlich klingen, aber habt ihr schon mal über den Horizont geschaut? Der Hygienestandard, den wir hier gewohnt sind, ist bei weitem keine Selbstverständlichkeit. Klar, ein paar Tage lang ungeduscht auf einem Festival rumlaufen ist für viele mal machbar. Aber stell dir mal vor, es würde dort z.B. keine Toiletten geben, in denen du deine Binde/Tampons/Menstruationstasse wechseln könntest. Stell dir mal vor, du hättest kein Wasser, um dich zu waschen. Also grundsätzlich nicht und nicht nur ein paar Tage lang. Sondern ständig. Stell dir mal vor, du musst zu Hause bleiben und kannst nicht zur Schule gehen, wenn du deine Tage hast, weil du in der Schule keine Möglichkeiten hast, dein Zeug zu wechseln und dort nur durchbluten und alles einsauen würdest. Oder du dir grundsätzlich einfach keine Binden, Tampons oder Menstruationstassen kaufen kannst, weil du sie dir nicht leisten kannst oder es sie einfach nicht gibt. Was machst du dann?

Zugang zu Wasser, Seife, sauberen und bezahlbare Menstruationshygieneprodukten, sauberen Toiletten oder überhaupt Toiletten ist noch längst nicht überall auf der Welt eine Selbstverständlichkeit. Dieser Umstand beeinflusst das Leben vieler Menstruierenden gewaltig. Viele können deswegen während ihrer Tage nicht zur Schule gehen und bleiben im Unterrichtsstoff zurück, teilweise sogar soweit, dass sie die Schule abbrechen müssen und keine Chance auf eine gute Bildung habe. Dadurch werden sie auch keine Möglichkeit haben ihren sozialen oder finanziellen Status aufzubessern.
Dadurch, dass viele keinen Zugang zu sauberen und bezahlbaren Hygieneprodukten haben, behelfen sich einige z.B. mit alten Stofffetzen, Papier, Rinde oder gar Schlamm. Krankheiten und Infektionen enstehen, die hätten verhindert werden können. Die Scham und die Stigmatisierung rund um das Thema Menstruation wird durch diese Umstände umso größer aufrechterhalten und macht das Leben der Betroffenen schwer. Teilweise sind die Menschen in einigen Regionen so arm und im Verhältnis die Produkte so teuer, dass einige vor der Wahl stehen: kaufe ich mir jetzt Essen oder neue Binden.

 

Was Tun?

Aber das muss nicht sein! Es gibt viele Organisationen und Firmen, die sich inzwischen mit dem Thema auseinandersetzen, in die betroffenen Länder und Gebiete reisen, die Menschen vor Ort aufklären und sie im Zugang zu sauberen und bezahlbaren Hygieneprodukten unterstützen. Z.B. setzt sich der Menstruationstassenhersteller Ruby Cup dafür ein, dass Mädchen in Entwicklungsländer Menstruationstassen bekommen. Sie fahren das Konzept „Buy One, Give One“. Mit jeder gekauften Menstruationstasse wird eine gespendet. In Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen werden diese dann an die bedürftigen Mädchen verteilt, momentan vor allem in Ostafrika.

Es gibt so viele Baustellen auf diesem Planeten. An so einem Tag wie heute sollten wir uns bewusst machen, wie gut es uns zum einen geht und uns zum anderen überlegen, was wir dazu beitragen können, dass es anderen menstruierenden Menschen auf dieser Welt besser geht. Ob wir etwas spenden, anfangen offener über das Thema Menstruation zu reden oder uns bei einer NGO engagieren. Alles ist möglich. Dass viele Hunger leiden müssen auf dieser Erde, hat wohl jeder schon mal gehört, aber das es ein großes Problem bei der Menstruationshygiene gibt, darüber wird kaum gesprochen. Deshalb müssen wir anfangen darüber zu reden, das publik zu machen, damit mehr und mehr Menschen darauf aufmerksam werden, das Tabu und die Stigmatisierung überwinden und uns gegenseitig unterstützen. Ob es die Kollegin ist, die mal eben einen Tampon braucht oder das Mädchen in Kenia, der mit einer neuen Menstruationstasse für die nächsten 10 Jahre geholfen wäre. Halte die Augen offen, wo du jemanden beim Menstruieren unterstützen kannst und rede ohne Scham und Hemmung darüber!

Kanntet ihr vorher schon den Menstrual Hygiene Day? Habt ihr davon gehört oder ist euch das alles völlig neu? Kennt ihr weitere tolle Projekte, die Menstruierenden in Entwicklungsländern unterstützen? Schreibt mir in die Kommentare!

Wenn ihr noch mehr über den Menstrual Hygiene Day wissen wollt, dann schaut unbedingt auf der offiziellen Website vorbei und informiert euch über Projekte, Partner und Aktionen des MHD.

Und feiere heute die Menstruation! Heute ist der perfekte Tag, um mit vielen tollen Menschen mit einer Bloody Mary anzustoßen!

#MAKEPERIODSGREATAGAIN

#HAPPYMENSTRUALHYGIENEDAY

Cheers,

Eure Menstruationsbeauftragte

 


Quellen und weiterführende Links

www.susana.org/en/knowledge-hub/resources-and-publications/library/details/1738

www.susana.org/_resources/documents/default/2-1738-washinschoolsempowersgirlseducationproceedingsofvirtualmhmconference.pdf (PDF Download)

menstrualhygieneday.org

menstrualhygieneday.org/about/why-menstruationmatters

en.wikipedia.org/wiki/Menstrual_Hygiene_Day

www.wash-united.org

www.plan.de/presse/pressematerial-tag-der-menstruationshygiene.html

rubycup.com/de/ueber-uns

Meine Menstruationsbibliothek – Welche Bücher ich bis jetzt schon gesammelt habe

Seitdem ich angefangen habe DIE MENSTRUATIONSBEAUFTRAGTE ins Leben zu rufen, haben sich sehr viele Bücher bei mir angesammelt und ich habe inzwischen eine regelrechte Menstruations-Bibliothek zusammengetragen.

Meine Entdeckungen will ich euch auf keinen Fall vorenthalten, weshalb ich für euch meine Sammlung hier aufgeführt habe. (Alphabetisch nach Titel sortiert)

Die hier aufgeführten Bücher habe ich zu dem Zeitpunkt der Veröffentlichung des Blog-Posts noch nicht alle fertig gelesen, gut Ding will ja schließlich Weile haben, nicht wahr?

Ich weiß, dass es noch viel mehr Bücher auf dieser Welt zu diesem Thema gibt. Wenn ihr tolle Bücher kennt und mir bestimmte empfehlen könnt, dann schreibt mir! Ich bin gespannt auf eure Vorschläge! Ihr könnt dazu beitragen, dass diese kleine aber feine Bibliothek wachsen kann.

 

DAS DISKRETE TABU – VOM UMGANG MIT DER MENSTRUATION
von Marion Schröter

 

DAS SCHWARZMOND TABU – DIE KULTURELLE BEDEUTUNG DES WEIBLICHEN ZYKLUS
von Jutta Voss

 

DAS BUCH DER TAGE – EIN TAGEBUCH FÜR FRAUEN
von Sabine Maier

 

DAS TAGE BUCH – DIE MENSTRUATION – ALLES ÜBER EIN UNTERSCHÄTZES PHÄNOMEN
von Heike Kleen

 

DER URSPRUNG DER WELT
von Liv Strömquist

 

DIE UNPÄSSLICHE FRAU – SOZIALGESCHICHTE DER MENSTRUATION UND HYGIENE
von Sabine Hering und Gudrun Maierhof

 

DIE WEISE WUNDE MENSTRUATION
von Penelope Shuttle und Peter Redgrove

 

DIE ZYKLUSSTRATEGIE – WEIBLICHE POWERPOTENZIALE ERKENNEN & TAG FÜR TAG NUTZEN
von Sabeth Ohl und Eva Dignös

 

DIESES KLEINE STÜCK WATTE… WERBUNG UND TABU AM BEISPIEL BINDEN UND TAMPONS
von Renate Waschek

 

EBBE & BLUT – ALLES ÜBER DIE GEZEITEN DES WEIBLICHEN ZYKLUS
von Luisa Stömer und Eva Wünsch

 

JA, ICH HABE MEINE TAGE! SO WHAT?
von Clara Henry

 

MAGIE, HEILEN UND MENSTRUATION
von Rosemary L. Rodewald

 

PERIODS GONE PUBLIC – TAKING A STAND FOR MENSTRUAL EQUITY
von Jennifer Weiss-Wolf
(englisch)

 

ROTER MOND – VON DER KRAFT DES WEIBLICHEN ZYKLUS
von Miranda Gray

 

 


Bei den Links auf dieser Seite handelt es sich um Amazon-Partner-Links. Wenn ihr über diese Links eines dieser Bücher kauft, bekomme ich einen kleinen Teil als Werbekostenerstattung ausgezahlt. Diese Links beeinflussen nicht den Preis dieser Bücher, ihr werdet also nicht mehr belastet, ihr könnt allerdings, wenn ihr diese Links nutzt, mich, Die Menstruationsbeauftragte, ein klein wenig finanziell unterstützen. Ich verdiene mit diesem Projekt hier kein Geld und alle Investitionen, die ich hierfür stemmen muss, kommen aus eigener Tasche. Lange Rede, kurzer Sinn, ich freue mich über jeden, der mich unterstützt! <3


 

Wir müssen über Endometriose reden

Endometriose? Nie gehört. So geht es vielen Frauen*, so ging es auch mir bis vor ein paar Monaten. So geht es auch den meisten Frauen* in meinem Umfeld. Warum wir unbedingt darüber Bescheid wissen müssen, erkläre ich euch jetzt.

Everything is Fine – Nicht

Nennen wir sie Anna. Anna ist eine Frau*, wie du und ich. Sie menstruiert Monat für Monat. Ganz normal könnte man denken. Nicht für sie. Sie hat jeden Tag ihrer Regel extreme Unterleibsschmerzen, die sie ohne Schmerzmittel und viel Wärme nicht aushalten kann. Teilweise muss sie sogar zu Hause bleiben und kann nicht arbeiten gehen, weil sie sich vor Schmerzen nicht mehr bewegen kann. Verschiedene Frauenärtze bei denen sie war, haben ihre Beschwerden nur abgetan. Regelschmerzen sind schließlich total normal. Noch mehr Schmerzmittel, noch mehr Ausfalltage. Irgendwann ist sie bei einem Arzt gelandet, der sie auf Endometriose untersuchte. Und Volltreffer. Ihre Schmerzen sind eben nicht normal. Sie hat Endometriose.

 

Was ist Endometriose überhaupt?

Man spricht von einer Endometriose, wenn sich Zellen aus der Gebärmutterschleimhaut, die eigentlich in die Gebärmutter gehören, außerhalb der Gebärmutterhöhle ansiedeln (z.B. an den Eierstöcken, am Darm, am Bauchfell usw.). Die meisten Frauen*, die davon betroffen sind, haben enorme Unterleibsschmerzen vor allem während ihrer Periode. Vielen denken den Großteil ihres Lebens, dass es „ganz normale“ Menstruationsbeschwerden sind, bzw. bekommen das von ihren Frauenärzten so gesagt und erhalten erst oft viele Jahre später eine Diagnose auf Endometriose. Die Erkrankung kann bis hin zur Unfruchtbarkeit führen, obwohl es auch viele Frauen gibt, die trotzdem gesunde Kinder zur Welt bringen. An sich ist die Krankheit gutartig, aber es kann unter Umständen zu Verwachsungen  und Organveränderungen kommen, die zu weiteren Beschwerden führen und operiert werden müssen.

 

Was passiert da genau?

Bei etwa 4-12% der Frauen* zwischen der Pubertät und den Wechseljahren treten versprengte Zellverbände außerhalb der Gebärmutterhöhle auf und bauen sich genau wie die Schleimhaut innerhalb der Gebärmutter zyklusabhängig auf und ab. Das heißt, wenn die Gebärmutterschleimhaut während der Menstruation abgebaut wird und aus dir herausblutet, wird die Schleimhaut außerhalb der Gebärmutter auch abgebaut und es kommt zu Blutungen außerhalb der Organe, sowie zu extremem Schmerzen. Da die Endometriose eine hormonabhängige Krankheit ist (d.h. die Äußerung der Symptome hängt von dem Hormonhaushalt im eigenen Körper, je nachdem, wo man grad im Zyklus ist, ab), tritt sie in den allermeisten Fällen nur bei menstruierenden Frauen* auf.

Die Ursachen für Endometriose konnten bislang noch nicht vollständig geklärt werden. Es gibt viele Theorien, von denen bislang aber keine bewiesen werden konnte. Fakt ist nur, dass sie auftreten kann und den Betroffenen im schlimmsten Fall ihr ganzes Leben lang Beschwerden bereitet. Meistens wird die Krankheit zwischen dem 25.-35. Lebensjahr diagnostiziert, was für viele bis dahin sehr schmerzhafte Jahre bedeutet. Meist vergehen 3-11 Jahre zwischen den ersten Auftreten der Symptome und der Diagnosestellung. Oft kommt man erst dann auf die Diagnose, wenn schon über einen langen Zeitraum extrem Starke Schmerzen und ein unerfüllter Kinderwunsch auftreten und z.B. Probleme mit dem Darm auftreten. Obwohl diese Zusammensetzung aus Symptomen nicht der ultimative Beweis für Endometriose sein muss, denn die Krankheit versteckt sich gerne hinter vielen anderen Symptomen, die von den Ärzten meistens fälschlicherweise erst mal anderen Krankheiten zugeordnet werden, ehe sie auf Endometriose kommen.  Das Problem bei der Diagnosestellung ist zum einen, dass die Symptome sehr unspezifisch sind und selbst überdurchschnittlich starke Schmerzen sowohl von den Betroffenen und den Ärtzen als normal angesehen werden und oft mit dem Satz abgetan werden „Hab dich nicht so, das ist ganz normal, da muss jede Frau* durch“.

Die häufigsten Symptome, die auftreten können sind:

  • Dysmenorrhoe
  • Unterbauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Darmsymptome
  • verlängerte und verstärkte Menstruation
  • Beschwerden beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)

Es gibt aber Frauen*, die trotz Endometriose, ihr ganzes Leben lang weitgehend beschwerdefrei bleiben.

 

Was kann getan werden?

Um die Symptome zu lindern, wird oft die Pille verschrieben, wodurch die Betroffenen weniger Beschwerden haben und ein weitgehend normales Leben führen können. Nicht immer, aber oft ist auch eine OP nötig, bei der der Bauchraum aufgemacht wird und die Endometrioseherde sozusagen ausgebrannt werden, damit sie keine Beschwerden machen können. Im aller härtesten Fall oder wenn kein Kinderwunsch mehr besteht, wird auch die gesamte Gebärmutter entfernt. Komplett heilen kann man Endometriose bislang nicht, aber die Symptome und Beschwerden soweit minimieren, dass die Erkrankung keinen negativen Einfluss mehr auf das Leben nimmt.

 

Du bist für deinen Körper verantwortlich

Es ist eine verrückte Krankheit. Ich möchte euch jetzt auf keinen Fall panisch machen, ich will einfach nur aufklären und euch bitten, diese Krankheit im Hinterkopf zu behalten. Das wichtigste ist immer, höre zuerst auf deinen Körper, dann auf alle anderen. Wenn du das Gefühl hast, dass deine Schmerzen absolut abnormal sind, du nicht mehr zur Schule oder auf Arbeit gehen kannst, weil es dir so schlecht geht, dann lass dich durchchecken. Bestehe darauf. Lass dich nicht mit irgendwelchen Standard-Sätzen abspeisen. Es kann sein, dass du „nur“ normale Schmerzen hast, es kann aber eben auch etwas anderes sein. Nimm deine Beschwerden nicht einfach so hin. Lieber einmal zu viel untersucht, als einmal zu wenig. Du bestimmst über deinen Körper. Du bist für ihn verantwortlich.

 

Das Problem ist nicht nur die Medizin

Meiner Meinung nach liegt das Problem nicht nur in der Medizin sondern auch in der gesellschaftlichen Tabuisierung des ganzen Themas Menstruation und Frauengesundheit. Würden grad die jungen Mädchen* von Anfang an lernen, offen und frei sich mit ihren Mütten, Schwestern, Freundinnen, ja auch Brüdern und Vätern über das Thema unterhalten zu könnnen und darüber auszutauschen, als ginge es um Schmerzen im Arm, der unter Umständen gebrochen sein könnte, würden vermutlich viel mehr viel eher zum Arzt gehen und auf eine allumfassende Diagnosestellung bestehen und sich nicht damit abtun lassen, dass jeder Schmerzen im Arm hat, dass das normal ist und dass man sich nicht so haben soll. Ihr versteht was ich meine oder? Warum gerade ich die jungen Mädchen* in diesem Beispiel gewählt habe? Weil das die nächste Generation der menstruierenden Frauen* sein wird, die nicht so lange leiden sollte, wie die vorhergehenden Generationen. Redet darüber! Wenn einer anfängt machen es alle nach.

 

Videos

Ich habe euch auch noch ein paar sehr informative Videos rausgesucht zu dem Thema. Für einen schnellen Überblick ist das Video vom Bayerischen Rundfunk gut geeignet:

 

Wer es deutlich ausführlicher mag, der sollte sich diesen Vortrag hier von Dr. med. Robinson Ferrara, Chefarzt am Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Kirchheimbolanden, ansehen. Er erklärt das Krankheitsbild sehr gut und formuliert seinen Vortrag, trotz vieler medizinischer Begriffe auch für Laien äußerst verständlich. Wer sehr empfindlich auf OP-Bilder reagiert, sollte sich vielleicht vorsichtig an dieses Video rantasten, er zeigt zwischendurch Fotos von den inneren Organen und Endometrioseherden. Schaut es euch aber trotzdem an, oder hört es euch zumindest an, weil es sehr informativ ist und ich denke, dass sich jede Frau mal intensiv mit dem Thema beschäftigt haben sollte.

 


* Transgender sind an der Stelle natürlich mit einbeschlossen, denn es gibt schließlich auch Menschen, die keine Frauen sind, aber trotzdem menstruieren mit allem was dazugehört!


 

Habt ihr Fragen, Erfahrungen mit der Krankheit oder Anregungen? Schreibt mir in die Kommentare!

XOXO

Eure Menstruationsbeauftragte <3

Blutung ist nicht gleich Blutung – was wir alles wissen sollten

Denken wir an Blut und Frauen, kommen uns meist Regelblutungen oder gar Zwischenblutungen in den Sinn.

Aber woher kommen Zwischenblutungen? Was sind die Gründe dafür? Wie erkenne ich, um welche Art der Blutung es sich handelt? Und was gibt es noch für Blutungen, die bei uns auftreten können, uns aber gar nicht so wirklich aus dem Alltag bekannt sind? Was sind Schmierblutungen, was ist eine Abbruchblutung? Wie erkenne ich, um was es sich im Detail handelt und was steckt genau dahinter?

Maggie von weartheladies.de hat mich gefragt, ob ich nicht genau zu diesem Thema einen Artikel für ihren Blog schreiben könnte, weil ihr aufgefallen ist, dass Leserinnen* bei dem Thema verunsichert sind und noch viel Erklärungsbedarf besteht. Ich habe mich auf Recherche begeben und für Euch die wichtigsten Blutungen zusammengefasst.

weiblicher Torso im Blut

Die Monatsblutung

Die Monatsblutung dürfte allen bekannt sein. Sie ist die periodisch wiederkehrende Blutung aus der Gebärmutter, die im Durchschnitt alle 28 Tage stattfindet und ihren Ursprung darin hat, dass Gebärmutterschleimhaut aufgebaut wird, damit sich das heranreifende Ei im Falle einer Befruchtung darin einnisten und zu einem Baby heranwachsen kann. Wenn die Befruchtung nicht stattfindet, wird die Gebärmutterschleimhaut wieder abgebaut und kommt als Regelblutung heraus.

Diese Blutung ist nicht zu übersehen. Sie dauert im Schnitt 5-7 Tage, fängt leicht an, steigert sich zur Mitte hin und wird zum Ende der Menstruation wieder weniger. Die Blutung ist meist dunkelrot bis hin zu etwas bräunlich und enthält neben Blut, Stücke der Gebärmutterschleimhaut und Sekrete, die meist gut erkennbar sind. Anhand dieser Eigenschaften ist es ziemlich leicht, die Monatsblutung von Zwischenblutungen zu unterscheiden.

Monatsblutung

Zwischenblutung vs. Schmierblutung

Oft liest man von Zwischenblutung und Schmierblutung zusammen, aber sehr selten wird klar definiert, was denn nun der genauer Unterschied ist, oder ob es sich um ein und dieselbe Blutungsart handelt oder nicht. Jein. Alle Blutungen, die außerhalb der Monatsblutung auftreten, werden als Zusatzblutung oder Zwischenblutung bezeichnet. Und diese wiederum können als Schmierblutung auftreten (was in den meisten Fällen so ist).

Kurz gesagt: die meisten Zwischenblutungen sind Schmierblutungen, aber es kann auch Zwischenblutungen geben, die z.B. stärker ausfallen und andere Farbigkeit und Konsistenz haben und damit nicht mehr unter den Begriff Schmierblutung fallen. Verständlich? Im Zweifelsfall einfach noch mal nachfragen.

Der häufigste Grund für Zwischenblutungen sind hormonelle Störungen.

Regelmäßig auftretende Zwischenblutungen, die einen festen Zeitpunkt im Zyklus haben, werden meist durch einen Östrogenmangel ausgelöst. Unregelmäßig auftretende Zwischenblutungen haben meist organische Ursachen, das heißt, eine Krankheit ist der Grund.

Die Schmierblutung

Von Schmierblutungen, auch Spotting genannt, haben die meisten sicher schon gehört. Aber Schmierblutung ist nicht gleich Schmierblutung. Im Allgemeinen bezeichnet man als Schmierblutung einen bräunlichen eher schleimigen Ausfluss aus der Vagina bei Frauen* im gebärfähigen Alter, der außerhalb der eigentlichen Regelblutung auftritt. Diese Blutung tritt normalerweise nur ganz leicht auf und dauert maximal ein bis drei Tage. Die Gründe für Schmierblutungen sind meistens hormonelle Störungen während des Zyklus. Der Unterschied zwischen der Menstruation und einer Schmierblutung ist der, dass sich während der normalen Regelblutung die Gebärmutterschleimhaut normalerweise komplett löst, was bei der Schmierblutung nicht der Fall ist. Daher auch der Unterschied zwischen Menge, Dauer, Färbung und Konsistenz. Aber was gibt es für verschiedene Schmierblutungen und wie kann ich sie auseinander halten?

Ovulationsblutung

Eine Form der Schmierblutung ist die Ovulationsblutung. Sie kann auftreten, wenn nach dem Eisprung der Östrogenspiegel absinkt und es dadurch zu einer leichten Hormonentzugsblutung kommt.

Eine Ovulationsblutung ist eine leichte Blutung von ein bis drei Tagen und tritt in der Mitte des Zyklus während des Eisprungs auf. Oft ist diese Blutung mit einem leichten Mittelschmerz verbunden.

In der Medizin hat diese Form der Zyklusstörung (auch als Mittelblutung bezeichnet) keinen Krankheitswert. Aber wenn es häufiger bis hin zu regelmäßig auftritt, sollte der Arzt trotzdem konsultiert werden, um abzuklären, dass es nicht noch andere Ursachen hat und sich alles im harmlosen Rahmen befindet.

Gelbkörperschwäche

Der Gelbkörper produziert nach dem Eisprung das Gelbkörperhormon Progesteron, das wichtig ist, um die Gebärmutterschleimhaut aufzubauen und eine Schwangerschaft aufrecht zu erhalten. Bei einer Gelbkörperschwäche wird zu wenig davon produziert und die Gebärmutterschleimhaut wird mit zu wenigen Nährstoffen versorgt, was dazu führen kann, dass sich eine befruchtete Eizelle entweder gar nicht einnistet oder es im Falle einer Einnistung zu einem frühen Abort kommt. Frauen* mit einer Gelbkörperschwäche haben meist einen unregelmäßigen Zyklus, eine verkürzte zweite Zyklushälfte und Zwischenblutungen in der zweiten Zyklushälfte.

Eine Gelbkörperschwäche ist ein sehr häufiger Grund für einen unerfüllten Kinderwunsch. Wenn die oben genannten Symptome bestehen und ein Kinderwunsch bisher nicht erfüllt wurde, sollte man auf jeden Fall zum Arzt und sich untersuchen lassen.

Durchbruchblutung

Eine Durchbruchblutung ist eine Schmierblutung während der Verwendung von hormonellen Verhütungsmitteln, wie z.B: der Pille. Diese Blutung tritt außerhalb der üblichen Einnahmepause und der darin stattfindenden Abbruchblutung auf. Die Durchbruchblutung ist eine Sonderform der Abbruchblutung.

Das kommt häufig bei solchen Präparaten vor, die nicht gut auf den eigenen Hormonspiegel abgestimmt sind. Die Blutung kommt dadurch zustande, wenn das Hormonpräparat zuwenig Östrogen liefert oder wenn es sich um ein reines Gestagenpräparat handelt (Minipille). Durch die zu geringe Menge an Hormonen kann die Gebärmutterschleimhaut nicht lang genug aufrecht erhalten werden und des kommt schon vor der Pillenpause zu Blutungen.

Auch bei einem Pillenwechsel kommt es sehr häufig zu Zwischenblutungen, weil der Körper sich erst umstellen und an den neuen Hormonhaushalt gewöhnen muss.

Meistens sind solche Zwischenblutungen harmlos. Sollten sich aber Fieber und Unterleibsschmerzen zu den Schmierblutungen dazu gesellen, dann sollte man sofort zum Arzt gehen. Auch wenn nach einer 4-monatigen Eingewöhnungs- oder Umgewöhnungsphase die Schmierblutungen weiterhin auftreten, sollten mit dem Arzt die Ursachen geklärt und evtl. anderes Präparate ausprobiert werden.

Schmierblutung

Abbruchblutung

Eine Abbruchblutung wird auch eine Hormonentzugsblutung genannt. Sie ist meist etwas kürzer, schwächer und weniger schmerzhaft als die normale Regelblutung und tritt in der Woche auf, in der die Einnahme der Pille pausiert wird (insofern man eine nimmt, die man nur 21 Tage durch nimmt und dann 7 Tage pausiert).

Durch die Einnahmepause ist im Körper zu wenig Östrogen und Progesteron vorhanden und die bis dahin aufgebaute Gebärmutterschleimhaut kann nicht mehr aufrecht erhalten werden, es kommt zur Abbruchblutung.

Vielen Frauen* denken, sie haben trotz Pille eine „normale“ Regelblutung. Dem ist aber nicht so. Diese „Fake-Regel“ (auch Pseudomenstruation genannt) kommt nur durch den Hormonentzug zustande, der sich einstellt, wenn man die Pille pausiert und hat nichts mit der normalen Menstruation zu tun. Es wird zwar auch Schleimhaut aus der Gebärmutter ausgestoßen, die ist aber nicht mit der zu vergleichen, die in einem natürlichen Zyklus aufgebaut und nach Nicht-Einnistung des Eis abgestoßen wird.

Zu Abbruchblutungen kann es auch kommen, wenn man andere Hormonpräparate verwendet und absetzt, wie z.B. in den Wechseljahren.

Abbruchblutung

Einnistungsblutung

Wenn eine Eizelle erfolgreich befruchtet wurde, dann nistet sich diese in die Gebärmutterschleimhaut ein, wobei Blutgefäße gering verletzt werden können und so eine Blutung auslösen. Die Einnistungsblutung (auch Nidationsblutung genannt) findet ca. 4-6 Tage nach der Befruchtung statt und kann ein frühes Schwangerschaftsanzeichen sein. Es ist durchaus möglich, dass sie einige Tage anhalten kann. Es gibt aber auch Frauen, bei denen sie gar nicht auftritt oder so schwach ist, dass sie gar nicht wahrgenommen wird (einige Tropfen oder Schlieren)

Um eine Einnistungsblutung von einer Periode zu unterscheiden, muss man auf Farbe und Stärke achten. Die Einnistungsblutung ist heller und rötlicher, nicht schmerzhaft und meist von kurzer Dauer. Sie kann zwar auch einige Tage andauern, dann bleibt sie aber von der Menge her konstant und nimmt nicht zu, wie die Regelblutung. Wer regelmäßig Temperatur misst als natürliche Verhütungsmethode, wird außerdem eine leichte Temperaturerhöhung feststellen können. Die normale Regelblutung kann am Anfang auch hellrot sein, wird aber im Verlauf der Menstruation deutlich stärker und dunkel und bräunlicher.

Zudem ist der Zeitpunkt auch ein gutes Indiz für die Einnistungsblutung. Sie tritt meistens früher (4-6 Tage nach dem Eisprung) auf, als die zu erwartende Regelblutung (14 Tage nach dem Eisprung). Die Zahlen gelten natürlich nur als Durchschnittswerte und wenn man einen regelmäßigen Zyklus hat.

Einnistungsblutung

Kontaktblutung

Eine Kontaktblutung ensteht meisten durch, sagen wir, äußerst rabiaten Geschlechtsverkehr. Bei manchen Positionen oder bei einer doch etwas mächtigeren Penisgröße des Partners kann es dazu kommen, dass Gewebe verletzt wird und blutet. An sich reicht es meistens schon, etwas vorsichtiger und behutsamer beim Sex vorzugehen. Auch bei einer Frauenärztlichen Untersuchung kann es mal zu einer Kontaktblutung kommen. Das Gewebe der Gebärmutter und Scheide neigen schnell mal dazu, zu bluten. Wenn man das Gewebe schont, dann ist die Blutung schnell wieder behoben und sie verschwindet von alleine.

Das Blut ist hierbei hellrot, klar und flüssig und nicht dunkel und zäh fließend wie bei einer Schmierblutung.

An sich ist eine Kontaktblutung harmlos. Sollte sie aber regelmäßig z.B. nach dem Geschlechtsverkehr auftreten oder länger anhalten, das Blut trüb und die Blutung sehr heftig und schmerzhaft sein, dann ab zum Arzt!

 Kontaktblutung

Jede Frau* ist anders

Final ist zu sagen: Jede Frau* ist anders! Jede hat ihren eigenen Körper, ihren eigenen Hormonhaushalt und ihre eigene Sensibilität für Einflüsse auf ihren Hormonhaushalt. Die hier beschriebenen Merkmale, Symptome und Ursachen gelten für den breiten Durchschnitt und treffen auf die meisten Frauen* zu, aber es kann auch sein, dass das bei dir etwas anders ist.

Höre auf deinen Körper!

So oder so gilt: Immer wenn du das leiseste Gefühl hast, irgendwas stimmt in deinem Körper nicht, gehe zum Arzt und lass dich durchchecken. Lieber einmal mehr zum Arzt gegangen, als einmal zu wenig. Mach dich nicht verrückt. Lerne deinen Körper kennen, lerne ihn zu lesen, lerne ihn zu fühlen und lass dich nicht beirren, wenn andere dir sagen, es ist alles ok, du aber ein schlechtes Bauchgefühl hast. Du bist Herrin* deines eigenen Körpers! <3

Du musst nicht wegen jeder kleinen Zwischenblutung zum Frauenarzt, aber wenn diese Symptome auftauchen, solltest du dich auf jeden Fall durchchecken lassen:

  • Mehrere Zwischenblutungen hintereinander
  • häufig auftretende Schmierblutungen
  • Zwischenblutung nach Ende der Wechseljahre
  • Starke oder langanhaltende Blutungen
  • Schmierblutung während der Schwangerschaft
  • Schwächegefühl, Ohnmacht
  • Starke Schmerzen

Wenn ihr noch mehr wissen wollt

Dann schaut doch mal in diese kleine Linksammlung rein. Hier findet ihr einige Referenzseiten, die ich unter anderem für meine Recherchen verwendet habe, die deutlich tiefer in die Materie gehen und euch noch mehr Infos über Details geben können, die den Rahmen dieses Artikels hier gesprengt hätten.


* Transgender sind an der Stelle natürlich mit einbeschlossen, denn es gibt schließlich auch Menschen, die keine Frauen sind, aber trotzdem menstruieren mit allem was dazugehört!