Alle Menstruationshygieneprodukte im Überblick

Du denkst Tampons und Binden sind alles, was die Welt zu bieten hat?

Da muss ich dich enttäuschen, es gibt noch einiges mehr an Monatshygieneprodukten. Eine Übersicht findest du hier:

 

Tampons

Illustration eines Tampons mit Menstruationsblut

Diese länglichen Wattedinger hat bestimmt jede von euch schon mal gesehen. Ein Tampon ist im Prinzip nichts anderes als zusammengepresste Watte, die man sich während seiner Tage in die Vagina schiebt, damit dieser dort das Blut aufsaugen kann und es nicht heraus läuft.

Ein Tampon wird mit den Fingern oder mit einer Einführhilfe in die Vagina eingeführt und verweilt dort maximal bis zu 6-8 Stunden, außer er ist vorher schon voll. Auf keinen Fall solltet ihr den Tampon länger drin lassen, da das zum Toxischen Schock Syndrom (TSS) führen kann!

Am besten ist es, immer die kleinst mögliche Größe zu verwenden und oft genug zu wechseln. Das heißt, wenn du deine schwachen Tage hast, dann möglichst die kleinsten Tampons. Aber das musst du für dich herausfinden, wie stark deine Tage sind und wie oft mit welcher Tampongröße du wechseln musst und was für dich praktisch ist.

Die bekannteste Marke in Deutschland ist wohl o.b. (heißt übrigens ausgeschrieben „ohne Binde“, raffiniert, ne?). Es gibt aber auch viele andere Marken:

Interessante Artikel zum Thema Tampon von mir:

 

Softtampons

Illustration eines Softtampons mit Menstruationsblut

 

 

Softtampons oder auch Menstruationsschwämmchen sind eine etwas andere und weniger bekannte Art der Tampons. Sie sind nicht, wie die herkömmlichen, aus Watte gefertigt, sondern sind kleine Schaumstoffschwämmchen ohne Rückholfaden. Aber wie soll das denn bitte ohne Faden gehen, wirst du dir jetzt sicher denken. Du hast Finger, werde ich dir daraufhin antworten. Du kannst z.B. deinen Daumen und Mittelfinger zum Einführen und Rausholen verwenden. Manche Modelle haben auch ein kleines Loch, durch das du deinen Finger schieben und daran ziehen kannst. Du solltest diesen Tampon soweit hinein schieben, bis er am Muttermund anliegt. Softtampons können ganz einfach ausgewaschen und wiederverwendet werden. Aber auch bei dieser Tamponsorte, solltest du darauf achten, dass du sie nicht länger als 8 Stunden in dir trägst!

Auch wenn Softtampons noch nicht so verbreitet sind, kann man in einigen Drogerien welche kaufen.

Ein toller Vorteil von den Dingern ist, dass du während deiner Menstruation Sex haben kannst ohne Blutbad, nur mal so als kleiner Tip am Rande. 😉

Die wohl bekanntesten Marken sind:

 

Binden

Illustration einer Binde mit Menstruationsblut

Binden sind diese länglichen flachen Watteteile, die deine Mutter sich sehr wahrscheinlich in die Unterhose geklebt hast, als du klein warst und du dachtest, Mama würde immer einpullern und braucht deswegen auch eine Windel. Zumindest habe ich das gedacht. In sehr jungem Alter. Witzig, wenn ich grad so drüber nachdenke.

Aber Spaß beiseite. Auch Binden sind eine praktische Erfindung in der Monatshygiene. Sie gibt’s  schon mit am längsten. Es wird erzählt, dass Frauen sich schon vor vielen hundert Jahren Binden gebaut haben, ob es aus Stofflappen, Blättern oder Moosen war.

Im 19. Jhd. wurde der Dianagürtel erfunden, eine vermutlich ungemütliche Konstruktion, die aber sehr praktisch war, da man die Binden nah am Körper tragen konnte, ohne das sie verrutschte und man so als Frau alle möglichen Tätigkeiten nachgehen konnte, ohne Angst zu haben, dass das Kleid blutig wird. Im 20. Jhd. wurde die Binde, wie wir sie heute kennen, entwickelt und bis heute immer mehr optimiert (z.B. Klebkraft, Saugfähigkeit und Flügel für besseren Halt an den Seiten).

Die Anwendung von Binden ist heute denkbar einfach. Man muss sie letztendlich einfach nur in seine Unterhose kleben und fertig. Und natürlich wechseln, wenn man das Gefühl hat, dass sie voll ist.

In Deutschland ist wohl eine der mit bekanntesten Marken Always. Aber auch bei den Binden gibt viele verschiedene Marken, sowohl konventionell hergestellte, mit und ohne Duft und Bio-Binden aus Bio-Baumwolle. Aktuell immer mehr auf dem Vormarsch sind wiederverwendbare Binden aus Stoff, die man nach dem Tragen ganz normal waschen und wiederverwenden kann. Diese sind günstiger und nachhaltiger als Wegwerfbinden.

Einige Binden-Marken:

Eine kleine Unterform der Binden sind die Slipeinlagen. Sie sind kleiner, schmaler und dünner als Binden und super für die Tage vor oder nach den Tagen geeignet, wenn nur ganz wenig Blut zu sehen ist, und es sich noch nicht für eine Binde lohnt. Sie ist auch super praktisch, wenn man z.B. ein kleines Backup für die Menstruationstasse haben will, um die Unterwäsche vor kleinen Blutflecke zu bewahren.

 

Waschbare Binden

Illustration einer waschbaren Binde mit Menstruationsblut

Die waschbare Binde ist die nachhaltige Schwester der konventionellen Binde. Sie gibt es in allen möglichen Formen und Farben inzwischen im Internet zu kaufen, wie z.B. hier:

Es werden verschiedenste Materialien für diese Binden verwendet, wie z.B. Baumwolle, Mikrofaser und Bambus-Holzkohle-Fasern, um die Binde so saugfähig wie möglich und auswaschbar zu machen. Sie können so über viele Jahre hinweg verwendet werden und produzieren dadurch keinen unnötigen Müll.

Es gibt auch die Möglichkeit, sich selbst solche Binden zu nähen. Im Internet findet man dazu viele Anleitungen, wie diese zum Beispiel:

 

Menstruationstassen

Illustration einer Menstruationstasse mit Menstruationsblut

Menstruationstassen sind der neue Shit in der Monatshygienewelt. Eigentlich schon in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts erfunden, damals furchtbar gefloppt, haben sie nun endlich eine Chance, richtig groß zu werden. Gerade im Internet ist ihre steigende Popularität und Beliebtheit zu beobachten.

Sie ist ein kleiner wiederverwendbarer Becher aus medizinischem Silikon, der mit den Fingern gefaltet und in die Vagina eingeführt wird. Dort ploppt er auf und erzeugt einen leichten Unterdruck, durch den er bombenfest und dicht sitzt. Das Blut wird dann in der Vagina in diesem Becher aufgefangen. Der Becher kann bis zu 12 Stunden im Körper bleiben, ehe er geleert, ausgespült und wieder eingesetzt werden muss.

Die Menstruationstasse hat viele Vorteile, unter anderem, dass sie auf die Verwendungsdauer gerechnet (bis zu 10 Jahren) deutlich günstiger als konventionelle Produkte und durch ihre Wiederverwendbarkeit tausendmal nachhaltiger ist.

Einige der bekanntesten Marken:

Wenn ihr mehr über die Menstruationstasse wissen wollt, dann lest euch diese Artikel von mir durch:

 

Softcup oder FLEX – ich nenne ihn Menstruationsring

Illustration eines Softcups mit Menstruationsblut

Eine Abwandlung der Menstruationstasse ist der Softcup oder auch FLEX genannt. Diese Art von Monatshygieneprodukt wird auch als Cup bezeichnet, sieht aber etwas anders aus, als die anderen Menstruationstassen. Im Prinzip ist es ein Plastikring, der von einer flexiblen Folie überzogen ist. Du drückst ihn zusammen und führst ihn in deine Vagina ein und er stülpt sich über deinen Muttermund und sitzt dort fest. Da er deutlich weniger Platz als eine Menstruationstasse einnimmt, kann man mit diesem Flex-Ring auch Sex während der Tage haben, ohne alles vollzubluten. Leider ist dieses Modell nicht wiederverwendbar und muss nach Benutzung weggeschmissen werden. Diese Art von Menstruationsprodukt ist noch sehr unverbreitet.

Vor Kurzem wurde ich allerdings auf diesen Softcup aufmerksam gemacht: Der Intinima Ziggy Cup. Er besteht aus medizinischem Silikon und kann wiederverwendet werden. Laut Hersteller soll er bis zu 2 Jahre verwendet werden können. Man könnte sagen, dass dieser Cup ein Hybrid aus Softcup und Menstruationstasse ist. Auch er kann beim Sex getragen werden.

 

Menstruationsunterwäsche

Illustration von Menstruationsunterwäsche mit Menstruationsblut

Was erst ganz neu den Markt erobert hat, ist so genannte Menstruationsunterwäsche oder auch Menstruationshöschen genannt.

Im Prinzip ist das nichts anderes, als ein ganz normaler Schlüpper, der aber sowas wie eine waschbare Binde mit eingenäht hat. Du kannst diese Unterhosen ganz normal, wie andere Unterwäsche auch während deiner Tage tragen, brauchst aber keine zusätzlichen Monatshygieneprodukte mehr, da die Höschen das Blut aufsaugen. Die Unterwäsche kann man ganz normal, wie alle anderen Klamotten auch in der Waschmaschine waschen und wiederverwenden.

Einer der absoluten Vorreiter auf dem Gebiet sind momentan THINX aus den USA, die nicht nur praktische sondern auch sehr hübsche verschiedene Modelle in ihrem Online-Shop anbieten, sowohl in schwarz, als auch in beige, mit unterschiedlichen Aufsaugestärken, je nachdem, wie stark deine Tage sind. Eine Frauen verwenden diese Höschen auch als Backup für die Menstruationstasse, falls doch mal was daneben gehen sollte.

Weitere Marken:

 


Kanntest du schon alle Hygiene-Produkte oder war etwas neu für dich? Kennst du vielleicht etwas, das ich noch nicht kenne und unbedingt hier mit rein gehört? Dann schreib mir doch in die Kommentare!


 

Weil mir Transparenz wichtig ist: Für die Links, die auf Amazon führen, bekomme ich eine kleine Provision, falls ihr darüber eines der Produkte kaufen solltet. Euch kostet das aber nichts extra! Da ich mit diesem Projekt in keinster Weise Geld verdiene und all meine Zeit und Energie der Sache wegen reinstecke, würde ich mich über die ein oder andere finanzielle Unterstützung freuen. Denn die Arbeit die ich hier mache, ist absolut unentgeltlich und nur für euch! <3

Happy MHD – Was es mit dem Menstrual Hygiene Day auf sich hat und warum es so wichtig ist, ihn zu feiern!

Heute ist der 28. Mai. Ein Tag wie jeder andere, mag man meinen. Für die meisten wird das wohl zutreffen, aber, die, die wissen, was für ein besonderer Tag heute ist, werden ihn hoffentlich feiern. Denn heute ist der Menstrual Hygiene Day, kurz MHD/MH Day/Menstrual Health Day, eingedeutscht auch Tag der Menstruationshygiene genannt.

Ein Tag, den wir alle gemeinsam ganz bewusst zelebrieren sollten!

Aber was genau ist überhaupt der MHD? Und woher kommt er eigentlich?

 

Der Menstrual Hygiene Day

Menstrual Hygiene Day Logo

Zum allerersten mal wurde der MHD am 28. Mai 2014 zelebriert. Ins Leben wurde er damals von der NGO WASH United gerufen, die ihren Sitz übrigens in Berlin hat und sich dafür einsetzt, die weltweiten Krisen rund um Sanitäre Einrichtungen und Hygiene zu beenden.

Das Ziel des MHD ist es, Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt zu helfen.

Der Sinn dieses Tages ist, die Wichtigkeit eines guten „Menstrual Hygiene Management“ (kurz MHM, frei übersetzt: Menstruationshygienemanagement) hervorzuheben.

 

Aber was bedeutet MHM überhaupt?

WASH definiert es so:

  • „Women and adolescent girls use a clean material to absorb or collect menstrual blood, and this material can be changed in privacy as often as necessary for the duration of menstruation.
    (Frauen und Mädchen benutzen saubere Materialien, um Blut aufzusaugen oder aufzufangen und diese Materialien können, so oft, wie es nötig ist, für die Dauer der Menstruation, in Privatsphäre gewechselt werden.)
  • MHM also includes using soap and water for washing the body as required; and having access to facilities to dispose of used menstrual management materials.“
    (MHM beinhaltet außerdem das Benutzen von Seife und Wasser um den Körper nach Bedarf zu reinigen; und den Zugang zu Toiletten um benutzte Menstruationshygieneprodukte zu entsorgen)

 

Zugang zu Wasser, Hygieneprodukten und Toiletten sind keine Selbstverständlichkeit

Für uns in Deutschland mag das alles vollkommen selbstverständlich klingen, aber habt ihr schon mal über den Horizont geschaut? Der Hygienestandard, den wir hier gewohnt sind, ist bei weitem keine Selbstverständlichkeit. Klar, ein paar Tage lang ungeduscht auf einem Festival rumlaufen ist für viele mal machbar. Aber stell dir mal vor, es würde dort z.B. keine Toiletten geben, in denen du deine Binde/Tampons/Menstruationstasse wechseln könntest. Stell dir mal vor, du hättest kein Wasser, um dich zu waschen. Also grundsätzlich nicht und nicht nur ein paar Tage lang. Sondern ständig. Stell dir mal vor, du musst zu Hause bleiben und kannst nicht zur Schule gehen, wenn du deine Tage hast, weil du in der Schule keine Möglichkeiten hast, dein Zeug zu wechseln und dort nur durchbluten und alles einsauen würdest. Oder du dir grundsätzlich einfach keine Binden, Tampons oder Menstruationstassen kaufen kannst, weil du sie dir nicht leisten kannst oder es sie einfach nicht gibt. Was machst du dann?

Zugang zu Wasser, Seife, sauberen und bezahlbare Menstruationshygieneprodukten, sauberen Toiletten oder überhaupt Toiletten ist noch längst nicht überall auf der Welt eine Selbstverständlichkeit. Dieser Umstand beeinflusst das Leben vieler Menstruierenden gewaltig. Viele können deswegen während ihrer Tage nicht zur Schule gehen und bleiben im Unterrichtsstoff zurück, teilweise sogar soweit, dass sie die Schule abbrechen müssen und keine Chance auf eine gute Bildung habe. Dadurch werden sie auch keine Möglichkeit haben ihren sozialen oder finanziellen Status aufzubessern.
Dadurch, dass viele keinen Zugang zu sauberen und bezahlbaren Hygieneprodukten haben, behelfen sich einige z.B. mit alten Stofffetzen, Papier, Rinde oder gar Schlamm. Krankheiten und Infektionen enstehen, die hätten verhindert werden können. Die Scham und die Stigmatisierung rund um das Thema Menstruation wird durch diese Umstände umso größer aufrechterhalten und macht das Leben der Betroffenen schwer. Teilweise sind die Menschen in einigen Regionen so arm und im Verhältnis die Produkte so teuer, dass einige vor der Wahl stehen: kaufe ich mir jetzt Essen oder neue Binden.

 

Was Tun?

Aber das muss nicht sein! Es gibt viele Organisationen und Firmen, die sich inzwischen mit dem Thema auseinandersetzen, in die betroffenen Länder und Gebiete reisen, die Menschen vor Ort aufklären und sie im Zugang zu sauberen und bezahlbaren Hygieneprodukten unterstützen. Z.B. setzt sich der Menstruationstassenhersteller Ruby Cup dafür ein, dass Mädchen in Entwicklungsländer Menstruationstassen bekommen. Sie fahren das Konzept „Buy One, Give One“. Mit jeder gekauften Menstruationstasse wird eine gespendet. In Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen werden diese dann an die bedürftigen Mädchen verteilt, momentan vor allem in Ostafrika.

Es gibt so viele Baustellen auf diesem Planeten. An so einem Tag wie heute sollten wir uns bewusst machen, wie gut es uns zum einen geht und uns zum anderen überlegen, was wir dazu beitragen können, dass es anderen menstruierenden Menschen auf dieser Welt besser geht. Ob wir etwas spenden, anfangen offener über das Thema Menstruation zu reden oder uns bei einer NGO engagieren. Alles ist möglich. Dass viele Hunger leiden müssen auf dieser Erde, hat wohl jeder schon mal gehört, aber das es ein großes Problem bei der Menstruationshygiene gibt, darüber wird kaum gesprochen. Deshalb müssen wir anfangen darüber zu reden, das publik zu machen, damit mehr und mehr Menschen darauf aufmerksam werden, das Tabu und die Stigmatisierung überwinden und uns gegenseitig unterstützen. Ob es die Kollegin ist, die mal eben einen Tampon braucht oder das Mädchen in Kenia, der mit einer neuen Menstruationstasse für die nächsten 10 Jahre geholfen wäre. Halte die Augen offen, wo du jemanden beim Menstruieren unterstützen kannst und rede ohne Scham und Hemmung darüber!

Kanntet ihr vorher schon den Menstrual Hygiene Day? Habt ihr davon gehört oder ist euch das alles völlig neu? Kennt ihr weitere tolle Projekte, die Menstruierenden in Entwicklungsländern unterstützen? Schreibt mir in die Kommentare!

Wenn ihr noch mehr über den Menstrual Hygiene Day wissen wollt, dann schaut unbedingt auf der offiziellen Website vorbei und informiert euch über Projekte, Partner und Aktionen des MHD.

Und feiere heute die Menstruation! Heute ist der perfekte Tag, um mit vielen tollen Menschen mit einer Bloody Mary anzustoßen!

#MAKEPERIODSGREATAGAIN

#HAPPYMENSTRUALHYGIENEDAY

Cheers,

Eure Menstruationsbeauftragte

 


Quellen und weiterführende Links

www.susana.org/en/knowledge-hub/resources-and-publications/library/details/1738

www.susana.org/_resources/documents/default/2-1738-washinschoolsempowersgirlseducationproceedingsofvirtualmhmconference.pdf (PDF Download)

menstrualhygieneday.org

menstrualhygieneday.org/about/why-menstruationmatters

en.wikipedia.org/wiki/Menstrual_Hygiene_Day

www.wash-united.org

www.plan.de/presse/pressematerial-tag-der-menstruationshygiene.html

rubycup.com/de/ueber-uns

Wir müssen über Endometriose reden

Endometriose? Nie gehört. So geht es vielen Frauen*, so ging es auch mir bis vor ein paar Monaten. So geht es auch den meisten Frauen* in meinem Umfeld. Warum wir unbedingt darüber Bescheid wissen müssen, erkläre ich euch jetzt.

Everything is Fine – Nicht

Nennen wir sie Anna. Anna ist eine Frau*, wie du und ich. Sie menstruiert Monat für Monat. Ganz normal könnte man denken. Nicht für sie. Sie hat jeden Tag ihrer Regel extreme Unterleibsschmerzen, die sie ohne Schmerzmittel und viel Wärme nicht aushalten kann. Teilweise muss sie sogar zu Hause bleiben und kann nicht arbeiten gehen, weil sie sich vor Schmerzen nicht mehr bewegen kann. Verschiedene Frauenärtze bei denen sie war, haben ihre Beschwerden nur abgetan. Regelschmerzen sind schließlich total normal. Noch mehr Schmerzmittel, noch mehr Ausfalltage. Irgendwann ist sie bei einem Arzt gelandet, der sie auf Endometriose untersuchte. Und Volltreffer. Ihre Schmerzen sind eben nicht normal. Sie hat Endometriose.

 

Was ist Endometriose überhaupt?

Man spricht von einer Endometriose, wenn sich Zellen aus der Gebärmutterschleimhaut, die eigentlich in die Gebärmutter gehören, außerhalb der Gebärmutterhöhle ansiedeln (z.B. an den Eierstöcken, am Darm, am Bauchfell usw.). Die meisten Frauen*, die davon betroffen sind, haben enorme Unterleibsschmerzen vor allem während ihrer Periode. Vielen denken den Großteil ihres Lebens, dass es „ganz normale“ Menstruationsbeschwerden sind, bzw. bekommen das von ihren Frauenärzten so gesagt und erhalten erst oft viele Jahre später eine Diagnose auf Endometriose. Die Erkrankung kann bis hin zur Unfruchtbarkeit führen, obwohl es auch viele Frauen gibt, die trotzdem gesunde Kinder zur Welt bringen. An sich ist die Krankheit gutartig, aber es kann unter Umständen zu Verwachsungen  und Organveränderungen kommen, die zu weiteren Beschwerden führen und operiert werden müssen.

 

Was passiert da genau?

Bei etwa 4-12% der Frauen* zwischen der Pubertät und den Wechseljahren treten versprengte Zellverbände außerhalb der Gebärmutterhöhle auf und bauen sich genau wie die Schleimhaut innerhalb der Gebärmutter zyklusabhängig auf und ab. Das heißt, wenn die Gebärmutterschleimhaut während der Menstruation abgebaut wird und aus dir herausblutet, wird die Schleimhaut außerhalb der Gebärmutter auch abgebaut und es kommt zu Blutungen außerhalb der Organe, sowie zu extremem Schmerzen. Da die Endometriose eine hormonabhängige Krankheit ist (d.h. die Äußerung der Symptome hängt von dem Hormonhaushalt im eigenen Körper, je nachdem, wo man grad im Zyklus ist, ab), tritt sie in den allermeisten Fällen nur bei menstruierenden Frauen* auf.

Die Ursachen für Endometriose konnten bislang noch nicht vollständig geklärt werden. Es gibt viele Theorien, von denen bislang aber keine bewiesen werden konnte. Fakt ist nur, dass sie auftreten kann und den Betroffenen im schlimmsten Fall ihr ganzes Leben lang Beschwerden bereitet. Meistens wird die Krankheit zwischen dem 25.-35. Lebensjahr diagnostiziert, was für viele bis dahin sehr schmerzhafte Jahre bedeutet. Meist vergehen 3-11 Jahre zwischen den ersten Auftreten der Symptome und der Diagnosestellung. Oft kommt man erst dann auf die Diagnose, wenn schon über einen langen Zeitraum extrem Starke Schmerzen und ein unerfüllter Kinderwunsch auftreten und z.B. Probleme mit dem Darm auftreten. Obwohl diese Zusammensetzung aus Symptomen nicht der ultimative Beweis für Endometriose sein muss, denn die Krankheit versteckt sich gerne hinter vielen anderen Symptomen, die von den Ärzten meistens fälschlicherweise erst mal anderen Krankheiten zugeordnet werden, ehe sie auf Endometriose kommen.  Das Problem bei der Diagnosestellung ist zum einen, dass die Symptome sehr unspezifisch sind und selbst überdurchschnittlich starke Schmerzen sowohl von den Betroffenen und den Ärtzen als normal angesehen werden und oft mit dem Satz abgetan werden „Hab dich nicht so, das ist ganz normal, da muss jede Frau* durch“.

Die häufigsten Symptome, die auftreten können sind:

  • Dysmenorrhoe
  • Unterbauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Darmsymptome
  • verlängerte und verstärkte Menstruation
  • Beschwerden beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)

Es gibt aber Frauen*, die trotz Endometriose, ihr ganzes Leben lang weitgehend beschwerdefrei bleiben.

 

Was kann getan werden?

Um die Symptome zu lindern, wird oft die Pille verschrieben, wodurch die Betroffenen weniger Beschwerden haben und ein weitgehend normales Leben führen können. Nicht immer, aber oft ist auch eine OP nötig, bei der der Bauchraum aufgemacht wird und die Endometrioseherde sozusagen ausgebrannt werden, damit sie keine Beschwerden machen können. Im aller härtesten Fall oder wenn kein Kinderwunsch mehr besteht, wird auch die gesamte Gebärmutter entfernt. Komplett heilen kann man Endometriose bislang nicht, aber die Symptome und Beschwerden soweit minimieren, dass die Erkrankung keinen negativen Einfluss mehr auf das Leben nimmt.

 

Du bist für deinen Körper verantwortlich

Es ist eine verrückte Krankheit. Ich möchte euch jetzt auf keinen Fall panisch machen, ich will einfach nur aufklären und euch bitten, diese Krankheit im Hinterkopf zu behalten. Das wichtigste ist immer, höre zuerst auf deinen Körper, dann auf alle anderen. Wenn du das Gefühl hast, dass deine Schmerzen absolut abnormal sind, du nicht mehr zur Schule oder auf Arbeit gehen kannst, weil es dir so schlecht geht, dann lass dich durchchecken. Bestehe darauf. Lass dich nicht mit irgendwelchen Standard-Sätzen abspeisen. Es kann sein, dass du „nur“ normale Schmerzen hast, es kann aber eben auch etwas anderes sein. Nimm deine Beschwerden nicht einfach so hin. Lieber einmal zu viel untersucht, als einmal zu wenig. Du bestimmst über deinen Körper. Du bist für ihn verantwortlich.

 

Das Problem ist nicht nur die Medizin

Meiner Meinung nach liegt das Problem nicht nur in der Medizin sondern auch in der gesellschaftlichen Tabuisierung des ganzen Themas Menstruation und Frauengesundheit. Würden grad die jungen Mädchen* von Anfang an lernen, offen und frei sich mit ihren Mütten, Schwestern, Freundinnen, ja auch Brüdern und Vätern über das Thema unterhalten zu könnnen und darüber auszutauschen, als ginge es um Schmerzen im Arm, der unter Umständen gebrochen sein könnte, würden vermutlich viel mehr viel eher zum Arzt gehen und auf eine allumfassende Diagnosestellung bestehen und sich nicht damit abtun lassen, dass jeder Schmerzen im Arm hat, dass das normal ist und dass man sich nicht so haben soll. Ihr versteht was ich meine oder? Warum gerade ich die jungen Mädchen* in diesem Beispiel gewählt habe? Weil das die nächste Generation der menstruierenden Frauen* sein wird, die nicht so lange leiden sollte, wie die vorhergehenden Generationen. Redet darüber! Wenn einer anfängt machen es alle nach.

 

Videos

Ich habe euch auch noch ein paar sehr informative Videos rausgesucht zu dem Thema. Für einen schnellen Überblick ist das Video vom Bayerischen Rundfunk gut geeignet:

 

Wer es deutlich ausführlicher mag, der sollte sich diesen Vortrag hier von Dr. med. Robinson Ferrara, Chefarzt am Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Kirchheimbolanden, ansehen. Er erklärt das Krankheitsbild sehr gut und formuliert seinen Vortrag, trotz vieler medizinischer Begriffe auch für Laien äußerst verständlich. Wer sehr empfindlich auf OP-Bilder reagiert, sollte sich vielleicht vorsichtig an dieses Video rantasten, er zeigt zwischendurch Fotos von den inneren Organen und Endometrioseherden. Schaut es euch aber trotzdem an, oder hört es euch zumindest an, weil es sehr informativ ist und ich denke, dass sich jede Frau mal intensiv mit dem Thema beschäftigt haben sollte.

 


* Transgender sind an der Stelle natürlich mit einbeschlossen, denn es gibt schließlich auch Menschen, die keine Frauen sind, aber trotzdem menstruieren mit allem was dazugehört!


 

Habt ihr Fragen, Erfahrungen mit der Krankheit oder Anregungen? Schreibt mir in die Kommentare!

XOXO

Eure Menstruationsbeauftragte <3

Tipps & Tricks zum Reinigen von Menstruationstassen

Wenn ihr schon immer wissen wolltet, was ein Schneebesen mit einer Menstruationstasse zu tun hat oder zumindest, welche Kniffe euch helfen, eure Tasse richtig zu reinigen und ihr ein langes Leben zu ermöglichen, dann seit ihr hier genau richtig!

Bevor du deine Menstruationstasse zum ersten Mal verwendest, ist es absolut wichtig, dass du sie vorher reinigst und desinfizierst!

Auch in der weiteren Verwendung solltest du sie auf jeden Fall zwischen jedem Zyklus gründlich auskochen und sauber und trocken lagern, damit sie dir lange erhalten bleibt und nicht zu einer Keimschleuder wird.

 


Zwischen deinen Tagen


Desinfektionsmittel

Zum Desinfizieren kannst du ganz klassisch Desinfektionsmittel nehmen, musst du aber nicht. Danach die Tasse noch mal mit klarem Wasser abspülen, um eine Reizung der Scheidenschleimhäute vorzubeugen.

Auskochen

topfDas Auskochen der Menstruationstasse ist das A und O für die Sterilisation dieser. Entweder ihr macht das in einem ganz normalen Kochtopf oder in einem speziellem Sterilisationsbecher in der Mikrowelle, der euch bei der Bestellung der Tasse mitgeliefert wurde (oder den man oft auch nachbestellen kann).

Wasser im Topf zum Kochen bringen, Tasse rein tun, Deckel drauf und 5-10 Minuten kochen lassen. Es ist nicht nötig sich einen extra Kochtopf nur dafür anzuschaffen. Weder die Tasse noch das Auskochen ist eklig und wird für immer euer Geschirr kontaminieren mit was auch immer ihr euch ausdenkt. Und allein schon, dass ihr die Tasse ja sterilisiert, indem ihr sie auskocht, ist doch Logik genug, dass alles sauber und hygienisch bleibt, auch im Topf.

Für die Mikrowelle die Tasse einfach in den dafür vorgesehenen Sterilisationisbecher legen, diese mit Wasser bedecken, Gefäß verschließen und sie für 2-3 Minuten bei 1000 Watt (oder je nach Anleitung) in die Mikrowelle stellen.

Oder die Tasse in eine „normale“ Tasse legen, sie mit Wasser bedecken und für 5 Minuten bei 800 Watt in die Mikrowelle stellen.

Es gibt auch die Möglichkeit, die Tasse in eine Schüssel zu legen, sie mit kochendem Wasser zu übergießen und mindestens für 3-5 Minuten stehen zu lassen.

Ihr könnt natürlich auch einen Dampfsterilisator verwenden, oder den Thermomix, insofern ihr einen habt.

Essig

essigGerade wenn ihr in Regionen lebt, in denen das Wasser sehr kalkhaltig ist, empfiehlt es sich, einen kleinen Schuss (Obst-)Essig mit ins Kochwasser zu geben, um eine Kalkablagerung zu vermeiden. Wichtig ist es, wirklich nur wenig Essig mit hinzuzugeben, damit das Material der Tasse nicht angegriffen wird.

Schneebesen

schneebesenWenn ihr eure Menstruationstasse in einem Topf auskocht, müsst ihr drauf achten, dass sie dabei nicht den Boden berührt und „anbrennt“. Um dem vorzubeugen, könnt ihr eure Tasse in einen Schneebesen klemmen, den ihr den Topf legt.

Reinigungsmittel

Wenn ihr unbedingt ein Reinigungsmittel verwenden wollt, dann nehmt nur ein ganz sanftes bzw. am besten ein, dass von den Menstruationstassenherstellern auch mit angeboten wird. Dann seid ihr auf der sicheren Seite, dass es weder euch, noch eurer Tasse schadet. Seifenreste immer gründlich entfernen! Aber eigentlich reicht das Auskochen völlig aus.

Sterilisationstabletten

miltonEinige Frauen verwenden Milton-Tabletten, um die Tasse zu reinigen und zu entfärben. Bei der Verwendung solcher Tabletten immer genau auf die Gebrauchsanweisung achten und lieber vorher noch mal googeln, ob sich die eigene Tasse mit den Tabletten verträgt, oder ihr im schlimmsten Fall danach eine neue kaufen müsst, weil die Tabletten die Tasse total zerfressen haben.

Spülmaschine

Lass es lieber! Die Reinigungsmittel in der Spülmaschine sind viel zu aggressiv und würden dir und deiner Tasse keinen Gefallen tun.

Verfärbung

Wenn sich deine Tasse mit der Zeit ein wenig verfärbt (was gerade bei den „weißen“ Tasse etwas völlig Normales und nichts Schlimmes oder Unhygienisches ist), dann kannst du sie einfach in etwas Essig oder Zitrone eingelegt in die Sonne legen, damit sie etwas ausbleicht, aber ganz ehrlich, wer sieht schon die Tasse, wenn du sie trägst? Eben. Es ist doch letztendlich total egal.

Wahlweise sollen auch Wasserstoffperoxid-Lösung 3% oder Reinigungstabletten von Milton funktionieren.

Löcherreinigung

Meistens werden die Löcher spätestens beim Auskochen sauber. Falls nicht, könnt ihr Wasser in die Tasse geben, mit einer Hand den Öffnung oben verschließen, die Tasse umdrehen und mit der anderen Hand die Tasse runterdrücken, so, dass das Wasser in der Tasse sich durch die Löcher drücken muss und diese damit sauber werden.

Du kannst auch Interdental-Bürstchen oder Zahnstocher verwenden. Einige Hersteller bieten auch extra Bürstchen für ihre Menstruationstassen zum Reinigen in ihren Shops an.

Aufbewahrung

beutelDie meisten Tassen werden in einem kleinen Stoffsäckchen geliefert, das dazu da ist, dass man die Menstruationstasse zwischen den Tagen darin lagern kann. Es empfiehlt sich dieses Säckchen zu verwenden, da es aus atmungsaktivem Material besteht und somit vorbeugt, dass sich Bakterien auf der Tasse sammeln, was in einem luftdichten Behälter passieren könnte.

 


Während deiner Tage


Hände

Vor dem Einsetzen und dem Entfernen solltest du immer deiner Hände gründlich mit Wasser und Seife waschen, damit sie sauber sind, wenn du dann „untenrum“ rumhantierst.

Wasser

wasserEs reicht völlig aus, wenn du zwischen Ausleeren und Wiederseinsetzen der Tasse diese mit Wasser ab- und ausspülst. Am besten man verwendet kaltes Wasser, viele Frauen haben davon berichtet, dass die Tasse durch das kalte Wasser beim Einführen besser aufploppt, außerdem lässt sich mit kaltem Wasser das Blut besser entfernen und Verfärbungen damit vorbeugen. Manche raten danach noch mal mit heißem Wasser abzuspülen. Aber probiert einfach selbst aus, wie es für euch am besten funktioniert.

Wenn du kein Waschbecken für diese Prozedur zur Hand haben solltest, dann nimm dir am besten immer eine kleine Flasche mit Wasser mit, wenn du deine Tage hast, mit der du deine Tasse über der Kloschüssel kurz ausspülen kannst.

Reinigungstücher

tuecherManche Hersteller bieten auch extra Reinigungstücher für die Menstruationstassen an. Wenn man sich damit sicher fühlt, einfach mal auf die Herstellerseite gehen und schauen. Ich würde davon abraten andere Reinigungstücher zu verwenden, als die, die auch extra dafür konzipiert wurden, um Schleimhautreizungen bei einem selbst und Materialschäden an der Tasse zu vermeiden.

Klopapier

klopapierUnd wenn du gerade gar nichts anderes zur Hand haben solltest, dann tut es auch Klopapier. Einfach damit kurz die Tasse auswischen und dann wieder einführen. Ich weiß, im ersten Moment mag einem das unter Umständen eklig vorkommen oder gar unhygienisch, aber ganz ehrlich, das Blut, dass da an eurer Tasse klebt kommt aus euch heraus, also wird es auch nicht schlimm sein für euren Körper, wenn ein winzig kleiner Teil davon wieder reinkommt. Ihr wisst schon wie ich das meine. Ihr werdet nicht an eurer eigenen Körperflüssigkeit sterben.

Toilettenspülwasser

Das könnt ihr in der Not übrigens auch verwenden. Es kommt ja nichts anderes als Leitungswasser aus dem Spülkasten. Also auch kein Unterschied zum Wasserhahn.

Urin

spritzerJep, ihr habt richtig gelesen. Urin. Ihr könnt einfach über eure Tasse pinkeln, um sie zu reinigen, denn Urin ist steril.

Zweittasse

tasseWenn du dich mit all den Möglichkeiten zu unwohl fühlst, die ich bis jetzt aufgeführt habe, dann leg dir einfach eine zweite Tasse zu, die du zum Wechseln immer mit dabei hast. Je nachdem wie stark deine Blutungen sind und wie oft du dementsprechend wechseln musst, könnten zwei Tassen reichen, um über den Tag zu kommen. Aber das muss jede Frau für sich selbst herausfinden. Ich komme super mit einer Tasse klar.

 


Hat dieser Artikel euch geholfen? Habt ihr noch Tipps und Tricks, Fragen, Anregungen, Erfahrungsberichte, die ihr mir unbedingt mitteilen wollt? Dann schreibt mir in die Kommentare!


 

XOXO

Eure Menstruationsbeauftragte

<3

#Gedankenfluss zum Sonntag – Bier, Menstruation & Männer

Ich hatte gestern einen wunderbaren Abend mit meinem Freund und einem sehr guten Freund von uns. Einer dieser Abende, an denen das Bier fließt und die intellektuellen Höhenflüge Rekordhöhen erreichen. Ok, das ist jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben, aber kennt ihr diese Euphorie, die euch ergreift, wenn ihr das Gefühl während eines Gespräches habt, dass genau dieses Gespräch, dass ihr gerade führt, so unglaublich wichtig und gehaltvoll ist, dass ihr es am liebsten aufgenommen hättet, um es so für die Nachwelt zu erhalten? Nein? Auch nicht so schlimm. Aber so ging es mir gestern in meiner bierseeligen Euphorie. Ich wusste gestern schon, dass ich all die wichtigen Dinge, die gesagt und gedacht wurden, nicht in den nächsten Tag mit nehmen werden kann, weil sie einfach in meinem angekartertem Hirn versickern werden.

Und jetzt sitze ich hier und versuche diese Wichtigkeit wieder hervorzuholen. Aber es vermag mir gerade nicht gelingen. Aber vielleicht ist das jetzt, heute, auch gar nicht so wichtig. Vielleicht wird dieses Gespräch ein andermal wieder in mir hochkommen und ich es niederschreiben können. Vielleicht ist heute einfach nur wichtig, dass ich voller Dankbarkeit bin, dass ich so tolle Menschen kenne, mit denen ich über alles reden kann, vor allem im Moment auch über mein Projekt hier.

Ich frage mich gerade, wie selbstverständlich es ist, mit seinem Freund und mit den gemeinsamen Freunden über so ein Thema reden zu können. Ist es ein Privileg für mich, solche Menschen um mich haben zu dürfen? Ja, klar. Die Frage ist vielleicht falsch gestellt.

Ich glaube, die Frage, die mich eher umtreibt, ist, was ist die Realtität, bzw. was ist nur meine Wahrnehmung? Ich frage mich immer wieder, ob ich mit der Ansicht, dass die Menstruation immer noch ein Tabuthema in unserer Gesellschaft ist, richtig liege. Ich bin in meinen Erfahrungen und meinen Beobachtungen so zwiegespalten. Inzwischen bin ich mir absolut sicher, dass es ein Thema ist, bei dem noch viel getan werden muss, gerade gesellschaftlich! Aber trotzdem lasse ich mich immer wieder verunsichern. Vielleicht ist das aber auch nicht die richtige Formulierung. Ich würde eher sagen, ich bleibe offen. Ich hinterfrage immer wieder mich selbst, die Gesellschaft, andere. Ich bleibe offen für Meinungsänderung. Und ich bleibe offen für die Realität und Wahrnehmung anderer. Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Welt, kein Leben ist gleich, keine Wahrnehmung ist gleich, keine Aneinanderreihung von Lebenserfahrungen ist gleich. Das sollte man nie vergessen. Was für die einen noch ein Problem ist, gab’s für den anderen nie, hat nie existiert. Nur weil ich damit aufgewachsen bin, dass man um alles was „untenrum“ ist, mit den Eltern nicht spricht,  nicht mal wirklich mit der eigenen Mutter, heißt das nicht, dass es bei allen anderen auch so war bzw, ist. Und nur weil ich mich inzwischen in einem Freundeskreis bewege, in dem man über ALLES so offen und unverblümt reden kann, wie man es selbst will, heißt das nicht, dass diese Offenheit und Toleranz auch überall anders in unserer Gesellschaft herrscht. Es wird immer Themen geben, die für den einen extrem wichtig sind, worüber andere nur die Schultern zucken, weil man es einfach ganz anders erlebt hat. Es gibt kein pauschales Richtig oder Falsch. Es ist vielschichtiger, komplexer.

Aber um auf den gestrigen Abend zurückzukommen, ich glaube das, was mich auch so fasziniert hat an dem Gespräch gestern, war, dass unser Freund K. einfach offen war. Er hat sich mit mir, meiner Meinung, meinen Gedanken auseinandergesetzt. Er, als Mann, hat ernsthaft versucht, sich in mein Denken, mein Fühlen und meine Erfahrungen als Frau hineinzuversetzen. Ein Teil von dem Gespräch gestern war unter anderem, wie es sich anfühlt seine Tage zu haben, Krämpfe zu haben, wie es ist, die Pille zu nehmen, seinen Körper mit künstlichen Hormonen vollzustopfen und unter den Nebenwirkungen zu leiden, wie es ist, sich eine Kupferspirale einsetzen zu lassen und was für Schmerzen man deswegen aushalten muss, und meine Wut darüber, eine Frau zu sein in solchen Momenten. Warum ich, nur weil ich eine Frau bin, diese Scheiße ertragen und auf mich nehmen muss. Meine Wut darüber, dass ich mich darum kümmern muss, zu verhüten, die Wut darüber, dass Testreihen für die Pille für den Mann deswegen abgebrochen wurden, weil die Männer mit den Stimmungsschwankungen nicht klar kamen. Mit Stimmungsschwankungen!!! Ich glaube ich muss mal eben in den Keller gehen zu lachen. Dafür habe ich nicht mehr als einen feuchten Furz übrig. Ok, ich schreibe mich grad in Rage. Diese Wut und Frustration ist in mir. Und ich habe K. gestern auch gesagt, dass ich mir als Frau an der Stelle einfach nur wünsche, dass wir, die wir menstruieren und Kinder bekommen (können), einfach mehr wertgeschätzt und verstanden fühlen wollen. Dass der nicht-menstruierende Teil der Bevölkerung sich einfach mal mehr mit uns auseinandersetzt, damit, was in uns vorgeht, was mit uns passiert, wie es sich anfühlt (soweit man es nachempfinden kann), einfach, was es bedeutet, einen weiblichen Körper zu haben. Dass man einfach aufhört, nur dumme Sprüche zu klopfen und unseren körperlichen Alltag abwertet. Ach habt euch nicht so, die bisschen Bauchschmerzen. Hm ja ist klar. Wer es wagt, in meiner Gegenwart nochmal „Hat die Alte wieder ihre Tage“-Sprüche zu bringen, den prügel ich so lange mit einem Tampon nieder, bis er blutet. Eigentlich sollten solche Flachwichser mal an diese netten Schmerzsimulierungsmaschinen angeschlossen werden, von denen es so  nette Videos auf Youtube gibt. Dann reden wir gerne weiter.

Ich denke, dass es für alle Beteiligte grundsätzlich nur förderlich wäre, wenn sich alle Geschlechter einfach mal mehr miteinander auseinandersetzen würden. Und damit meine ich nicht nur Mann und Frau, sondern auch alles was dazwischen ist. Ja das gibt es und das sollten wir nicht vergessen. Auch wenn ich oft nur von Frauen schreibe, heißt das nicht, dass ich alle anderen, die keine Frauen sind und trotzdem menstruieren, ausschließe. Überhaupt nicht! Wenn ich so schreibe, wie ich schreibe, dann liegt das meistens nur daran, dass ich eben aus meiner Perspektive schreibe. Und ich bin nun mal eine Frau und ich fühle mich auch als Frau. Also fühlt euch bitte nicht vernachlässigt oder angegriffen, wenn ich mich nicht immer korrekt gendergerecht ausdrücke. Mir fehlt darin auch leider etwas Übung.

Um noch mal auf das Eigentliche zurückzukommen: Wir sollten einfach alle mehr Offenheit und Interesse an unserem Gegenüber praktizieren und uns nicht in eine völlig egozentrische aus oberflächlichen Klischeebausteinen aufgebaute Welt verkriechen, weil es unter Umständen leichter sein könnte, so zu leben. Einfach mehr Respekt und Liebe und Offenheit und Toleranz und Unterstützung! So wie K. gestern. Auch wenn er natürlich an seine Grenzen gestoßen ist im Nachvollziehen meiner Ausführungen über das „Frau-Sein“. Es gibt nun mal eine biologische Grenze. Aber bis dahin kann man es doch wenigstens versuchen. Solche Gespräche wie gestern sollten völlig selbstverständlich sein! Auf der ganzen Welt. Ich weiß, das ist groß geträumt und wird vermutlich nie eintreten, aber versuchen kann man es doch wenigstens mal. Oder nicht?

 


Alle Schreib- und Kommafehler dürft ihr gern behalten, ich bin grad zu sehr im Sonntagschillblues, um alles finden zu können. 😉


 

XOXO

Eure Mentstruationsbeauftragte

<3

Menstruationstasse Illustration

Was sind eigentlich diese Menstruationstassen und was können die überhaupt?

Hoch die Tassen Mädels! Lasst uns auf unsere Menstruation anstoßen! Etwas Neues ist dabei den Blutkosmos zu erobern!

Ihr habt bestimmt schon mal diese komischen Silikonbecher irgendwo gesehen oder jemand hat schon mal darüber erzählt, aber so wirklich klar ist euch nicht, was diese Menstruationstassen sind und wie man sie verwenden soll. Und überhaupt, Tampons und Binden haben’s bis jetzt auch getan.

Weil es einfach so viel über die kleinen Dinger zu erzählen gibt, werde ich eine Menstruationstassen-Serie auf meinem Blog starten und euch wöchentlich über alles aufklären, was es zu diesem Thema zu sagen und zu wissen gibt!

Zur Einstimmung gibt’s erst mal diese nette Video hier, dann reden wir weiter.

 

Was ist eine Menstruationstasse?

Eine Menstruationstasse ist ein kleiner biegsamer kelchförmiger  Becher, meist aus medizinischem Silikon gefertigt, der in die Vagina eingeführt wird, das Blut während der Periode dort auffängt, bis zu 12 Stunden drin bleiben kann, entleert und gereinigt wird und danach wieder eingesetzt werden kann. Das bis zu 10 Jahre lang.

Im Gegensatz zu Tampons saugen Menstruationstassen, das Blut und das wichtige Scheidensekret nicht auf und zerstören somit nicht jeden Monat auf’s Neue die Scheidenflora, stattdessen wird alles in dem kleinen Kelch gesammelt.

Das erste Patent für eine Menstruationstasse wurde schon 1937 von der Amerikanerin Leona Chalmers eingereicht, leider floppte diese Idee damals gewaltig. 1959 gab es noch mal einen Anlauf von „Tassete“, aber auch das ging nach hinten los. Seit ein paar Jahren und vor allem durch das Internet erlangt langsam die Menstruationstasse endlich den Ruhm, der ihr gebührt, obwohl ich festgestellt habe, dass immer noch sehr viele Frauen, mit denen ich mich unterhalten habe, noch nie was von ihr gehört haben.

Es gibt auch andere Bezeichnungen für die Menstruationstasse, z.B. Menstasse, Menstruationsglocke, Menstruationskappe, Menstruationsbecher, Menstruationscup, aber letztendlich ist immer das Gleiche gemeint. Manche verwenden auch die Markennamen der Hersteller, wie z.B. DivaCup, Mooncup, Lunette usw.  Am Ende ist das aber völlig egal, weil alle quasi gleich funktionieren.

Am Anfang, wenn man noch nicht viel über die Tassen weiß, ist es schwer vorstellbar, wie das alles funktionieren soll, vor allem bei dieser Größe, aber keine Sorge, es gibt zum einen unterschiedliche Größen, zum anderen überlegt mal, was für Dinge in welchen Größenordnung noch so da unten ein- und ausgehen können. 😉

Menstruationstassen, Illustration, Muster

Welche Vorteile haben Menstruationstassen?

 

1. Umwelt

Jede Frau verbraucht in ihrem Leben durchschnittlich 12.000 Menstruationsprodukte. Allein das ist schon viel, hinzu kommt aber noch, dass diverse Binden und Tampons noch extra verpackt sind, oft in Plastik, womit sich die Müllmenge gleich mal verdoppelt. Eine Menstruationstasse kann bis zu 10 Jahren halten. Also wenn man jetzt grob überschlägt, dass man z.B. mit 15 seine erste Regel bekommt und mit 55 in die Menopause kommt, bräuchte man für 50 Jahre Menstruieren 5 Tassen. 5 gegen 12.000 macht einen deutlichen Unterschied, oder?

2. Chemiefrei

Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, warum Binden und Tampons so strahlend weiß sind? Warum Slipeinlagen so gut riechen? Weil überall mit Chemie gearbeitet wird. Monat für Monat steckst du dir chemiverseuchtes Material in dein Allerheiligstes. Die Hersteller haben keine Pflicht zur Kennzeichnung von diversen Stoffen auf ihren Produkten. Sie können also tun und lassen was sie möchten und wir beschäftigen uns nicht damit. Menstruationstassen sind an der Stelle absolut clean. Die meisten sind aus medizinischem Silikon. Es gibt aber auch Varianten aus Latex und dem Kunststoff TPE. Sie enthalten weder Duftstoffe noch Bleichmittel. Außerdem bleiben nach dem Tragen keine Textilfussel in der Vagina zurück, wie es bei konventionellen Tampons leider oft der Fall ist.

3. Preis

Es wird grob gerechnet, dass eine Frau ca. 2000€ in ihrem Leben allein nur für Binden und Tampons ausgeben muss. Eine Tasse kostet in der Anschaffung zwischen 15€-30€. Auf 5 Tassen im Leben hochgerechnet also 75€-150€. Ich denke, mehr muss ich dazu nicht sagen.

4. Freiheit

Du kannst mit einer Menstruationstasse tun und lassen, was du willst. Du kannst Sport jeglicher Art machen, du kannst Schwimmen gehen, du kannst sonstwas tun und sie bleibt an ihrem Platz.

5. Praktisch

Außerdem kannst du sie immer in deiner Handtasche mit dir herum tragen. Zu den meisten Tassen bekommst du ein Säckchen oder ein anderes Behältnis zum Transport mit. Sie ist klein und handlich und du kannst sie auch schon, bevor deine Tage beginnen, einsetzen,  um einer blutigen Überraschung vorzubeugen.

6. Fassungsvermögen

Während der größte Tampon nur bis zu 18ml aufsaugen kann, kann eine Menstruationstasse bis zu 40ml fassen. Du musst also viel weniger wechseln und kannst sie bis zu 12 Stunden drin lassen, ohne dass du Angst vor dem Toxic Shock Syndrom haben musst.

7. Gesundheit

Ist dir eigentlich bewusst, wie austrocknend ein Tampon in deiner Vagina wirkt? Ein Tampon saugt nämlich nicht nur das Blut auf, sondern auch alles andere was da unten feucht ist und unbedingt auch feucht bleiben muss, damit deine Scheidenflora intakt bleibt. Es hat alles seinen Sinn, warum es funktioniert, wie es funktioniert und eine gesunde Scheidenflora ist wichtig, damit du weniger anfällig für Bakterien und Pilze bist. Viel mehr Frauen haben regelmäßig mit Scheidenpilz zu kämpfen, als sie zugeben wollen und oft liegt das einfach an den falschen Produkten, die sie verwenden. Eine Tasse saugt nichts auf, sondern fängt nur auf und lässt somit das gesunde Klima in deiner Vagina in Ruhe. Nebenbei bemerkt, ist so eine Tasse viel angenehmer von Tragegefühl her als ein Tampon, gerade wegen der nicht-austrocknenden Eigenschaften.

8. Entsorgung

Mir ist das letztens erst mal so richtig aufgefallen, dass ich eigentlich so gut wie keinen Müll mehr im Bad produziere. Der Badmülleimer bleibt leer. Dadurch dass man als einzige „Entsorgungshandlung“ nur das Blut in die Toilette gießen muss, wandert einfach nichts mehr in den Mülleimer und es können auch keine unangenehmen Gerüche mehr entstehen. Das hat auch den Vorteil, wenn man irgendwo zu Besuch ist und der Gastgeber keinen Badmülleimer hat, man nicht mehr händeringend nach einer Möglichkeit suchen muss, wie man möglichst unauffällig diverse benutzte Binden oder Tampons verschwinden lässt. Glaubt mir, dass ist mir schon viel öfters passiert, als mir lieb war. Es ist unglaublich wie viele Haushalte (gerade auch mit Frauen)es gibt, die keinen Mülleimer im Bad haben!

 


Habt ihr schon Erfahrungen mit Menstruationstassen gemacht? Und wenn ja welche? Schreibt mir in die Kommentare was ihr über sie denkt und was ihr gerne noch so über sie wissen wollt! 🙂

XOXO

Eure Menstruationsbeauftragte

<3